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Warschauer Ghetto

Warschau

 

Der folgende Artikel ist entnommen aus Microsoft Encarta Enzyklopädie 2001

1. EINLEITUNG  
Warschau (polnisch Warszawa), Hauptstadt von Polen und der Woiwodschaft Warschau, größte Stadt des Landes, an der Weichsel gelegen. Die Stadt ist wichtigster Verkehrsknotenpunkt des Landes mit fünf Bahnhöfen und einem internationalen Flughafen. Das Stadtgebiet hat eine Größe von etwa 485 Quadratkilometern. Die Einwohnerzahl beträgt etwa 1,63 Millionen (1997).


2. STADTBILD  

Warschau war über viele Jahrhunderte das politische und kulturelle Zentrum des Landes. Im 2. Weltkrieg wurde die Stadt fast vollständig zerstört und nach 1945 wieder aufgebaut. Die UNESCO erklärte die rekonstruierten historischen Bauten der Altstadt zum Weltkulturerbe der Menschheit. Im Zentrum der wieder aufgebauten Altstadt befindet sich der nahe am Fluss gelegene mittelalterliche Marktplatz, der mit rekonstruierten Patrizierhäusern im Stil der Renaissance und des Barock umgeben ist. In einem dieser Häuser ist das Historische Museum der Stadt untergebracht. Südlich des Marktplatzes stehen noch Reste der mittelalterlichen Stadtmauer aus dem 14. und 15. Jahrhundert und eine Festungsanlage (Barbakane) aus dem 16. Jahrhundert. Weiter südlich liegt Schloss £azienki, das ursprünglich als Badehaus diente. Im späten 18. Jahrhundert wurde es zur königlichen Sommerresidenz für Stanislaus II. Augustus, den letzten polnischen König, ausgebaut. Das Schloss liegt inmitten einer großflächigen Parkanlage, in der sich u. a. ein Denkmal des polnischen Komponisten Frédéric Chopin befindet. Die Altstadt ist auf drei Seiten von breiten Straßen umgeben, die von großen modernen Wohnblöcken, Einkaufszentren und Parks gesäumt werden.


In Warschau gibt es viele alte Kirchenbauten. Besonders bekannt sind die gotische Sankt-Johannes-Kirche aus dem 14. Jahrhundert und die aus dem 17. Jahrhundert stammende Heilig-Kreuz-Kirche. Weitere bedeutsame Bauten sind der monumentale Palast der Kultur und Wissenschaften und das Große Theater aus dem 19. Jahrhundert. Es gibt viele Denkmäler in der Stadt, die an berühmte Menschen oder Ereignisse der polnischen Geschichte erinnern, wie z. B. an Sigismund III., an den Astronomen Nikolaus Kopernikus oder an den Dichter Adam Mickiewicz. Zwei andere Denkmäler wurden zum Gedenken an die Helden des Warschauer Ghettos und der polnischen Untergrundbewegung des 2. Weltkrieges errichtet. In der Mittelstadt, dem heutigen Zentrum Warschaus, befinden sich zahlreiche Adelspaläste und Klöster, zu denen das Barockkloster der Piaristen gehört, das Krasiñskipalais, das heute die Nationalbibliothek beherbergt und das Radziwi³³palais, das heute als Sitz der Regierung fungiert.


Die Stadt ist nicht nur politisches und wirtschaftliches Zentrum Polens, sondern hat auch eine herausragende kulturelle Bedeutung. Zu den wichtigsten kulturellen Einrichtungen zählen die etwa 30 Museen und eine Reihe von Kunstgalerien. Das Nationalmuseum beherbergt eine Ausstellung alter nubischer Malerei aus Afrika und eine Sammlung polnischer Kunst vom 14. bis zum 20. Jahrhundert. In der Stadt findet alljährlich eine internationale Buchmesse statt, alle fünf Jahre werden der internationale Frédéric-Chopin-Klavierwettbewerb und der internationale Henri-Wieniawski-Violinenwettbewerb ausgetragen. Warschau hat eine Universität (1818) sowie verschiedene Fachhochschulen und Forschungsinstitute.

3. WIRTSCHAFT  
Obwohl rund 90 Prozent der Industriebetriebe Warschaus im 2. Weltkrieg zerstört wurden, ist die Hauptstadt heute wieder wirtschaftlicher Mittelpunkt und bedeutendstes Handelszentrum des Landes. In Warschau gibt es zahlreiche Druckereien und Verlage sowie Produktionsbetriebe der chemischen Industrie, des Maschinen- und Fahrzeugbaus, der Textilindustrie, des Möbelbaus und der Herstellung von Nahrungs- und Genussmitteln.

4. GESCHICHTE  
Im 13. Jahrhundert wuchs Warschau um eine Burg des Herzogs von Masovia. 1339 erhielt die Stadt deutsches Recht und wurde 1570 ständiger Versammlungsort des polnischen Reichstages. 1596, nach dem Brand von Krakau, wurde Warschau Residenz des polnischen Königreiches. Die Belagerung durch Schweden stellte für die Stadt Ende des 17. Jahrhunderts einen Niedergang dar. Die Sachsenkönige August II., August III. und Stanislaus II. August verhalfen Warschau im 18. Jahrhundert zu einer kulturellen Blüte. 1795 fiel die Stadt nach der 3. Polnischen Teilung an Preußen. Unter Napoleon wurde sie 1807 Hauptstadt des Großherzogtums Warschau. Von 1813 bis zur Besetzung durch die Deutschen 1915 unterstand die Stadt Russland. 1919 wurde Warschau Hauptstadt des wieder errichteten polnischen Staates.

Warschau war die erste große Stadt, die Anfang September 1939 von deutschen Truppen angegriffen wurde. Nach zahllosen Artillerie- und Bombenangriffen nahmen deutsche Truppen die Stadt am 27. September ein. Während des Krieges war die polnische Hauptstadt nicht nur Hauptquartier der deutschen Besatzungsbehörden, sondern auch das Zentrum der polnischen Untergrundbewegung. Im Zentrum Warschaus errichtete die deutsche Besatzungsmacht 1940 das vier Quadratkilometer große jüdische Ghetto, in das etwa 500 000 Menschen gepfercht wurden. Zwischen dem 22. Juli und dem 3. Oktober 1942 wurden mehr als 300 000 Bewohner des Ghettos in Konzentrationslagern umgebracht. Der Aufstand der Juden im Warschauer Ghetto vom 19. April bis 16. Mai 1943 gegen die deutsche Besatzungsmacht wurde von der Polizei und der Waffen-SS brutal niedergeschlagen: über 50 000 Juden wurden getötet und das Ghetto vernichtet.


Ebenso erfolglos war 1944 der 63 Tage dauernde Kampf der Einwohner der polnischen Hauptstadt gegen die Besatzer, der am 1. August begonnen hatte, als sich sowjetische Armee-Einheiten Warschau näherten. Für die systematische Zerstörung der Stadt waren wiederum Einheiten der Waffen-SS verantwortlich. Sowjetische und polnische Truppen befreiten Warschau im Januar 1945. Von einer Million Einwohnern vor dem Krieg überlebten nur 162 000 Menschen die Besatzungszeit. Die meisten von ihnen lebten während der Kriegsjahre in Praga, einem Vorort östlich der Weichsel, sowie in einigen westlichen Vororten. Nach dem Krieg wurde die Stadt mit internationaler Hilfe wieder aufgebaut. Historische Gebäude und Bezirke wurden möglichst originalgetreu nachgebaut.


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